© Bundesarchiv, Bild 183-15994-0002 / Zeidler / CC-BY-SA-3.0 , via Wikimedia Commons

Baugeschichte der Villa To Hus

 

Der ortsansässige Zimmerermeister August Riep erbaute 1901 als Bauherr und Eigentümer die nach ihm benannte Villa Riep. Bemerkenswert war, dass die prunkvolle Straßenfassade, geschmückt mit Türmchen, Gesimsen und Ornamentik, Veranden und Loggien, deutlich mit der sehr schlicht gehaltenen Rückseite des Gebäudes kontrastierte. Auf Fundamente wurde weitgehend verzichtet. Ostseesand galt als geeigneter Baugrund und war auch als Material (wie es Mörtel und Fassadenputz zeigen) recht willkommen. Genutzt wurden diese Villen als Sommerlogis und Pensionen. Der Einbau von Ofenheizungen und geschlossenen Veranden machte aber bald eine Nutzung über die warme Jahreszeit hinaus möglich. In den Jahren der Inflation nach Weltkrieg I wechselte das Haus von 1921 bis 1926 mehrfach den Eigentümer, seine Nutzung (u.a. als Hotel) und auch -zwischenzeitlich bereits To Hus genannt - den Namen.

 

Dr. med. Theodor Gilbert Morell (der später als einer der Ärzte Hitlers unrühmliche Meriten erwarb) kaufte 1926 das Anwesen. Er hatte nach Kriegsende 1918 eine Praxis für Urologie und Elektrotherapie in Berlin eröffnet. Während der Saison war er neben seiner Praxis in Berlin-Charlottenburg als Badearzt in Heringsdorf tätig und lies die Villa Morell sehr aufwändig zu einer für die damaligen Verhältnisse außerordentlich innovativen Kurklinik mit 20 Zimmern, 25 Gästebetten, vier Küchenwohnungen, Zentralheizung und einer modernen medizinischen Bäderabteilung mit Elektrotherapie umbauen. Die von Dr. Morell und später von seiner Schwester geführte Pension war ganzjährig geöffnet und beherbergte, auch wegen der exklusiven Therapien, einen illustren Gästekreis aus aller Welt.

 

Nach Kriegsende wurde das Haus als Sanatorium für Soldaten der Sowjetarmee genutzt, bis es 1950 an die Gemeinde Heringsdorf und von dieser an den Feriendienst der Gewerkschaften (FDGB) übergeben wurde. Bis 1990 wurde es unter dem Namen Franz Franik geführt, als Ferienheim mit Bettenhaus und einer kleinen Gaststätte im Erdgeschoss. Die Namensgebung bezog sich auf den Zwickauer Bergarbeiter Franz Franik, der als Begründer der "Aktivistenbewegung" (das sozialistische Prinzip der Hilfe des Fortgeschrittenen für den Zurückbleibenden) mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet wurde. Die Zeit der Nutzung als FDGB-Ferienheim zehrte deutlich an der Substanz der Villa. Nach mehrmaligen Um- und Anbauten, dem Einbau einer Fernwärmeversorgung auf Braunkohlenbasis, einschließlich der Installationen für ein mitzuversorgendes benachbartes Ferienheim, war der Bauzustand der Villa in einem beklagenswerten Zustand. Fassadendetails wurden entfernt, der Balkon im Dachgeschoss abgerissen, 1990 übernahm die Treuhandanstalt (THA) die Liegenschaft. 1992 erwarb die Cammann & Freier GbR die - jetzt wieder Villa To Hus genannte - Baulichkeit. In der Absicht, die Immobilie als Personalunterkunft zu nutzen, wurde teil saniert und umfangreiche bautechnische und denkmalpflegerische Untersuchungen durchgeführt. In den Jahren 1999 - 2000 wurde dann die Villa To Hus denkmalpflegerisch rekonstruiert und in dreizehn Eigentumswohnungen umgewandelt.

 

                                                  (Quelle: Aufzeichnungen Krüger/Tschakert)

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